13.05.2014

von B° RB

Das Ruhrgebiet des Mittelalters

"Ludwig der Bayer. Wir sind Kaiser!": Das Ruhrgebiet des Mittelalters - Eisengewinnung zur Zeit Ludwigs des Bayern

Das in den Rennöfen gewonnene Eisen wurde als wichtiger Rohstoff benötigt: In den Schmieden entstand auch im Mittelalter kriegswichtige Ausrüstung, von Waffen wie Schwerter oder Dolche bis zu Ritterrüstungen und Schutzkomponenten. Die Aufnahme zeigt Wilhelm Eibl (links) und Max Hänszler als Schmiede auf dem Keltenfest Landau, die heute noch auf traditionelle Weise schmieden

Etwas fremdartig wird er sich schon ausmachen, der Schmelzofen in der Regensburger Minoritenkirche, der ab Mai in der Landesausstellung zu bewundern sein wird. Fast einen Meter ist er hoch und ganz aus Lehm gebaut. In solchen einfachen Öfen wurde von der Keltenzeit bis ins hohe Mittelalter Eisen gewonnen, auch auf dem Gebiet der Oberpfalz. Wie aber kommt dieser sogenannte „Rennofen“ oder – genauer gesagt – dieses eigens geschaffene 1:1 Modell aus dem oberpfälzischen Hirschau in die diesjährige Landesausstellung, die sich dem 700jährigen Thronjubiläum des Kaisers Ludwig des Bayern widmet? Das ist eine Geschichte für sich – eine der vielen Geschichten um den bedeutendsten wittelsbachischen Herrscher im Mittelalter.

Der oberbayerische Herzog Ludwig, der im Jahr 1314 zum römisch-deutschen König gewählt worden war, musste mit einem harten Gegner zurande kommen: Friedrich, genannt „der Schöne“, aus dem Haus Habsburg. Acht Jahre lang belauerten sich beide Konkurrenten, bis schließlich 1322 in der Schlacht von Mühldorf der Bayer Ludwig gegen die Österreicher siegte. Geholfen hat ihm dabei auch das Eisenerz, das damals in der Region Amberg gewonnen wurde. Ludwig wusste um die Bedeutung der hiesigen Eisenproduktion, brauchte er doch nichts so dringend wie Waffen und Geld. Ganz nach dem modernen Motto „fordern und fördern“ verlieh König Ludwig den Amberger Bürgern reiche Privilegien, die auch in der Landesausstellung im Original zu sehen sein werden. Darin wurde sogar eine nachhaltige Waldnutzung angeregt, um die Eisengewinnung nicht an Rohstoffmangel scheitern zu lassen. Dafür erwartete Ludwig der Bayer regelmäßige Steuereinnahmen und natürlich die reichliche Produktion des kostbaren Rohstoffs Eisen für die ausreichende Bewaffnung seiner Truppen.

Am Rennofenmodell in der Bayerischen Landesausstellung kann man sehen, wie noch frühen 14. Jahrhundert Eisen gewonnen wurde. In den Lehmofen wurden schichtweise Holzkohle und Eisenerz gefüllt. Fußbetriebene Blasebälge fachten das Feuer bis zu einer Temperatur von etwa 1200 bis 1300 Grad Celsius an. Nach einer mehrstündigen „Ofenreise“ gewann man einen Klumpen von metallischem Eisen und Schlacke, die sogenannte Luppe. Der Ofen wurde aufgebrochen, die Luppe herausgezogen, nochmals erhitzt, das metallische Eisen aufgekohlt und die Schlacke mechanisch herausgehämmert. So wurde schmiedbares Eisen gewonnen und damit Material für kriegswichtige Ausrüstung wie Schwerter oder Rüstungen. Ergänzend zu dieser traditionellen Technik entstanden zur Zeit Ludwigs des Bayern schon moderne Hammerwerke, die mit Wasserkraft arbeiteten und einen höheren Eisenausstoß hatten. Das Amberger Eisen wurde über die Vils und Naab nach Regensburg gebracht und dort weiterverkauft. Bald sollte die Oberpfalz zu einem der wichtigsten europäischen Eisenzentren aufsteigen.

Wer kann heute, im 21. Jahrhundert, so einen mittelalterlichen Rennofen nachbauen? Hier kam die Stadt Hirschau ins Spiel. Denn ihre Techniker hatten bereits für den 2010 eröffneten „Geopark Kaolinrevier Hirschau-Schnaittenbach“ ein solches Ofenmodell gebaut. Als das Haus der Bayerischen Geschichte bei Hans Drexler, Erster Bürgermeister in Hirschau anfragte, ob die Stadt ein spezielles Modell auch für die Landesausstellung bauen würde, kam die Zusage prompt. Mehr noch: Die Stadt Hirschau erstellte das Modell kostenlos als Spende. So kann während der Landesausstellung auf eindrucksvolle Weise die Alltagsgeschichte des „Ruhrgebiets des Mittelalters“ mit der europäischen Herrschaftsgeschichte Kaiser Ludwig des Bayern verknüpft werden.

Bayerische Landesausstellung 2014 „Ludwig der Bayer. Wir sind Kaiser!“ 

Minoritenkirche, St. Ulrich am Dom und Domkreuzgang, Regensburg 

16. Mai bis 2. November 2014

Täglich von 9.00 bis 18.00 Uhr

Veranstalter

Haus der Bayerischen Geschichte und Stadt Regensburg in Zusammenarbeit mit der Diözese Regensburg 

Eintrittspreise:

Erwachsene 9,50 €
Ermäßigt (z. B. Senioren, Studenten, Gruppen ab 15 Personen) 7,50 €
Familienkarte 19,00 €; Kinder, Jugendliche, Schüler 1,00 € 


Die Eintrittskarte ist für alle drei Orte gültig.

Audioguide 2,50 €

Führungen für Gruppen
Bis 15 Personen 60,00 € zzgl. Eintritt
Ab 15 Personen 4,00 € pro Person zzgl. Eintritt

Buchung für Führungen Tel. 0821 - 4 50 57 4 57

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